Asteroid Hannover

Hannover kreist auch als kleiner Planet um die Sonne. Die Hauptstadt von Niedersachsen ist der Geburtsort der berühmten Astronomen-Geschwister Caroline und Friedrich Wilhelm Herschel, der Entdecker des Planeten Uranus. Die Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover betreibt sehr engagierte Öffentlichkeitsarbeit.

Die Amateurastronomen Stefan Karge und Erwin Schwab fanden den Kleinplaneten mit ungefähr 1,5 Kilometern Durchmesser in der Nacht vom 27. auf den 28. September 2008 an einem Teleskop auf der Taunus-Sternwarte des Physikalischen Vereins, Frankfurt. Zum Zeitpunkt der Entdeckung befand er sich an seinem nächsten Punkt zur Erde in rund 180 Millionen Km Entfernung (Lichtlaufzeit ~10 Minuten). Kleinplanet Hannover  bewegt sich auf einer Bahn zwischen Mars und Jupiter. Für einen Umlauf um die Sonne braucht er 4,2 Jahre.

Bis ein neu entdeckter Vagabund des Sonnensystems einen Namen erhalten darf dauert es meist mehrere Jahre. Das Minor Planet Center in den USA setzt sehr hohe Maßstäbe an die Genauigkeit der Bahn eines Asteroiden, bevor dieser zur Taufe freigegeben wird. Als diese  Kriterien erfüllt waren bekam der unter der vorläufigen Bezeichnung 2009 SL83 katalogisierte Kleinplanet die endgültige Kleinplaneten-Nummer 295565. Nun hat das „Committee on Small Body Nomenclature (CSBN)“ dem von den Entdeckern eingereichten Namensvorschlag Hannover  zugestimmt. Nach positiver Entscheidung dieses aus 16 internationalen Berufsastronomen bestehenden Gremiums wurde der Name von der Internationalen Astronomischen Union anerkannt und veröffentlicht.

Der Originaltext, veröffentlicht am 27. Januar 2013 im Minor Planet Circular # 82404, lautet wie folgt:

(295565) Hannover = 2008 SL83
     Discovered 2008 Sept. 27 by S. Karge and E. Schwab at Taunus.

     Hannover, the capital city of the German federal state of Niedersachsen, is the birthplace of the astronomers Caroline Herschel and her brother Friedrich Wilhelm, the discoverer of Planet Uranus. The Volkssternwarte Geschwister Herschel Hannover is heavily involved in astronomical public education. 

Von der Erde aus betrachtet erscheinen Asteroiden ebenso punktförmig wie Sterne. Sie können deshalb einzig durch ihre Bewegung relativ zu den Sternen erkannt werden. Deshalb wird ein Himmelsareal mehrmals über einen Zeitraum von rund einer Stunde fotografiert. Danach wird aus den Einzelaufnahmen ein Film erstellt, womit die Bewegung der Asteroiden relativ zu den Sternen sichtbar wird.

Animation der Entdeckungsfotos des Kleinplaneten (295565) Hannover vom 27. September 2008. Gezeigt wird ein kleiner Ausschnitt von 15*15 Bogenminuten aus dem Gesamtfeld von 45*60 Bogenminuten. Hannover ist das sich bewegende Objekt in der Bildmitte. Zum Zeitpunkt der Entdeckung hatte der Kleinplanet eine Helligkeit von 19,3 Magnitude. Jedes der vier Bilder dieser Animation entstand mit der sogenannten Track und Stack Methode durch aufaddieren vieler Einzelaufnahmen zu einer Gesamtbelichtungszeit von 15 Minuten. Die ganze Sequenz umfasst somit die Bewegung innerhalb einer Stunde.

Die Taunus-Sternwarte des Physikalischen Vereins Frankfurt zählt inzwischen auf dem Gebiet der Suche nach Kleinplaneten zu den erfolgreichsten Observatorien Deutschlands. Diese Entdeckungen sind durch den Einsatz modernster Techniken möglich geworden. Denn Kleinplanet Hannover und die anderen Funde sind so lichtschwach wie eine Kerzenflamme, die man aus 2000 Kilometer Entfernung betrachtet. Das computersteuerbare Spiegelteleskop der Vereinssternwarte hat einen Durchmesser von 60 Zentimeter und ist mit einer speziell für die Astronomie entwickelten  Digitalkamera ausgestattet. Die Anschaffung dieser Geräte  wurde durch die Unterstützung der Georg und Franziska Speyer´sche Hochschulstiftung ermöglicht.  Mit diesem Instrumentarium können Objekte aufgefunden werden, die eine Million mal schwächer sind, als jene, die gerade noch mit bloßem Auge wahrgenommen
werden.

bullet (295565) Hannover = 2008 SL83  @ JPL – NASA